Wie meldet man eine Privatinsolvenz beim Gericht an?

Hier finden Sie Antworten auf folgende Fragen:

Die Beantragung der Privatinsolvenz ist wohl einer der schwierigsten Entschlüsse, die einige Menschen im Leben treffen müssen. Der komplette Prozess zieht sich über mehrere Jahre, in denen man in einem sehr eingeschränkten Rahmen lebt. Dennoch erhält man nach Abschluss des Verfahrens eine echte zweite Chance und kann ein schuldenfreies Leben beginnen.

Was passiert vor der Anmeldung der Privatinsolvenz?

  1. Versuch der außergerichtlichen Einigung
    Bevor man also eine Privatinsolvenz anmelden kann, muss der Schuldner mithilfe eines zuständigen Beraters versuchen, eine außergerichtliche Einigung mit den Gläubigern zu finden. Dazu müssen sämtliche Unterlagen, wie Vermögenswerte oder offene Kreditverträge, des Schuldners offengelegt werden. Im Anschluss wird den Gläubigern ein Schuldenplan vorgelegt. Schlägt die außergerichtliche Einigung fehl, kann das Verfahren für die Privatinsolvenz beim Amtsgericht angefordert werden. 

 

  1. Einschalten des Amtsgerichts vor dem Privatinsolvenzverfahre
    Das Amtsgericht wird dabei zunächst noch einmal versuchen, den bereits erstellten Schuldenplan bei den Gläubigern durchzusetzen, sofern eine realistische Aussicht auf Erfolg besteht. Mindestens die Hälfte der Gläubiger müssen dem Plan zum Schuldenabbau dabei zustimmen. Klappt die Einigung wiederum nicht, hilft letztendlich nur noch der Antrag auf Privatinsolvenz. 

 

  1. Beantragung der Privatinsolvenz bei Gericht
    Im Antrag für die Privatinsolvenz, der beim zuständigen Amtsgericht eingereicht werden muss, müssen alle wirtschaftlichen und persönlichen Verhältnisse offengelegt werden wie beispielsweise Nachweise zum Einkommen. Zudem muss ein Schuldnerberater oder Anwalt angegeben werden, der nachweist, dass die außergerichtliche Einigung gescheitert ist. Das Gericht beauftragt einen Insolvenzberater, der als Treuhänder agiert und das gesamte Vermögen verwaltet.

    Zudem muss der Schuldner eine Abtretungserklärung abgeben, worin er akzeptiert, dass das Einkommen zur Schuldentilgung verwendet werden darf. Gegenüber dem Treuhänder besteht hierbei die Pflicht, alle Veränderungen im Rahmen der Einkommensverhältnisse, aber zum Beispiel auch bei Wechsel des Wohnsitzes, sofort zu melden. Der Treuhänder hat im Insolvenzverfahren großen Einfluss und kann beispielsweise über Besitz eines Fahrzeuges oder Multimedia-Gerätes entscheiden.

 

Wann beginnt und wie lange dauert die Privatinsolvenz?

Nachdem der gestellte Treuhänder das gesamte Vermögen, das vorhanden ist, aufgeteilt hat, startet die sogenannte „Wohlverhaltensperiode“. Während dieser Zeit muss der Schuldner verschiedenen Pflichten nachweislich nachkommen:

  • Suche oder Ausübung eines Berufes
  • Nachweise über Vermögens- und Einkommenswerte
  • Nachweise über Wohnsitzwechsel
  • Abgabe von Erbschaften (falls vorhanden)
  • Zahlungen an den Insolvenzverwalter

Sofern der Schuldner allen Pflichten in einem Zeitraum von drei Jahren sorgfältig nachkommt, endet die Wohlverhaltensphase und der Antrag auf Restschuldbefreiung wird zugelassen. In den drei Folgejahren kommt es dann letztendlich auch zur Löschung des Schufa-Eintrags. Insgesamt muss man bei der Privatinsolvenz also mit mindestens 6 Jahren rechnen, um komplett von allen Schulden befreit zu sein. 

Wichtige Tipps:
Die Zeit in der Privatinsolvenz ist sehr schwierig, da man viele Verpflichtungen erfüllen und sich an exakte Regelungen halten muss. Für einen reibungslosen Ablauf sollten Schuldner alle Dokumente und Unterlagen, die in irgendeiner Weise mit dem Insolvenzverfahren zu tun haben, ordnungsgemäß aufbewahren. So können der Schuldner und natürlich auch der Insolvenzverwalter stets den Überblick behalten.

Bevor ein Insolvenzverfahren beantragt wird, sollte der Schuldner ein neues Bankkonto bei einem neuen Bankinstitut beantragen. Bei Ablehnung wegen negativen Schufa-Einträgen kann man ein sogenanntes P-Konto eröffnen. Das P-Konto schützt bei Pfändungen einen Betrag von 1.178,59€ zur Existenzsicherung. Außerdem zählt das P-Konto nicht zur Insolvenzmasse, wodurch sich Schuldner einige Unannehmlichkeiten sparen können.

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