Wie lange dauert eine Privatinsolvenz?

Das Wichtigste im Überblick:

Zusammenfassend:

  • Maximale Dauer eines Insolvenzverfahrens 6 Jahre
  • Verkürzung auf 5 oder 3 Jahre möglich
  • Dauer der außergerichtlichen Einigung ist nicht festgelegt
  • Während der gesamten Verfahrensdauer gilt die Wohlverhaltensphase
  • Nach Ende des Verfahrens tritt die Restschuldbefreiung in Kraft, nach der der Schuldner vom Insolvenzgericht von allen übrig gebliebenen Schulden befreit wird

Millionen von Menschen haben Schulden. Wirtschaftliche Krisen wie die Corona-Pandemie, private Umstände wie Schicksalsschläge oder ein plötzlicher Arbeitsplatzverlust können die Ursache für eine Insolvenz sein. In diesem Artikel finden Sie die wichtigsten Informationen zur bisherigen Dauer eines Insolvenzverfahrens und mit welchen Neuerungen Sie ab Oktober im Rahmen eines neuen Gesetzesentwurfs rechnen können. Grundlegend bietet die Privatinsolvenz Schuldnern die Möglichkeit, Ihre Schulden mit Hilfe eines mehrstufigen Insolvenzverfahrens abzubauen und den Gläubigern Ihr Geld zurück zu zahlen um so Ihrer vollständigen Liquidation näher zu kommen.

Was geschieht, bevor das Insolvenzerfahren eröffnet wird?

Vor der Anmeldung eines privaten Insolvenzverfahrens beim Amtsgericht, ist der Schuldner in der Pflicht zu versuchen, einen außergerichtlichen Einigungsversuch mit den Gläubigern zu erwirken. Findet keine außergerichtliche Einigung zwischen Schuldner und Gläubiger statt, wird der Antrag auf Privatinsolvenz beim Amtsgericht eingereicht. Zusätzlich werden sämtliche finanzielle Gegebenheiten wie Vermögen und Einkommen in Form von Bescheinigungen vor dem Amtsgericht offen gelegt. 

Laut §304 Abs. 1 InsO können nichtselbständige Personen Privatinsolvenz anmelden oder laut § 304 Abs. 2 InsO ehemals selbstständige Personen ohne Verbindlichkeiten gegenüber früheren Arbeitnehmern, sowie nicht mehr als 20 Gläubigern.

 

Sie können den Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht einreichen. Sie benötigen auf jeden Fall eine Bescheinigung über den gescheiterten Vergleich mit Ihren Gläubigern.

Wie lange dauert eine außergerichtliche Einigung?

Da für einen außergerichtlichen Schuldenbereinigungsplan kein gesetzlicher Ablauf gilt, ist eine genaue Festlegung der Zeitspanne nicht möglich. Sie hängt (falls die Beratung eines Rechtsanwaltes mit einbezogen wird) von der Bearbeitungsdauer der Rechtsanwaltskanzlei ab, sowie von der Reaktionszeit der einzelnen Gläubiger. Zudem kann es vorkommen, dass der erste Vorschlag des Schuldenbereinigungsplans abgelehnt wird und eine erneute Überarbeitung nötig ist. 

Wenn es zu einer Einigung über eine Einmalzahlung kommt, kann die außergerichtliche Einigung bereits nach wenigen Monaten abgeschlossen sein. Bei einer Ratenzahlung strecken sich die Zahlungen über einen längeren Zeitraum, der mit den Gläubigern abhängig von Höhe und Häufigkeit der Zahlung vereinbart wird. 

In den meisten Fällen können sich Schuldner und Gläubiger auf einen Insolvenzplan einigen und die offenen Forderungen können ohne ein laufendes Insolvenzverfahren beglichen werden. 

Wie lange dauert die tatsächliche Privatinsolvenz momentan?

Nachdem der Insolvenzantrag beantragt wurde, benötigt das zuständige Insolvenzgericht in der Regel 5 bis 6 Wochen bis zur tatsächlichen Insolvenzeröffnung und dem eigentlichen Insolvenzverfahren. Anschließend bestimmt das Insolvenzgericht einen Insolvenzverwalter, welcher das pfändbare Vermögen verwertet.

Von der Eröffnung der Insolvenz bis hin zur Restschuldbefreiung kann es maximal sechs Jahre dauern.

Es besteht allerdings die Möglichkeit eine Verkürzung der Verfahrensdauer zu erwirke laut des im Juli 2014 in Kraft getretenen Insolvenzrechts  (§ 300 InsO):

  • Verkürzung auf 5 Jahre: Wenn die kompletten Verfahrenskosten gemäß § 54 InsO beglichen werden können (Kosten für Gericht und Insolvenzverwalter) kann die Verfahrensdauer auf 5 Jahre verkürzt werden. Die Verfahrenskosten betragen im Normalfall nicht mehr als 2.000 Euro, es müssten also innerhalb der 5 verbleibenden Jahre monatlich ca. 35 Euro bezahlt werden um die Kosten zu decken.
  • Verkürzung auf 3 Jahre: Bei einer Verkürzung auf 3 Jahre müssen die kompletten Verfahrenskosten zuzüglich 35% der Gesamtschulden beglichen sein.

Wann endet die Wohlverhaltensphase?

Die Wohlverhaltensphase beginnt mit der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und endet gemeinsam mit dem diesem. In dieser Zeit muss der Schuldner gewisse Regeln einhalten und sich „wohl verhalten“ um seinen guten Willen zu zeigen, seine Schulden begleichen zu wollen. Am Ende der Wohlverhaltensphase tritt die Restschuldbefreiung in Kraft.

Mit welchen Neuerungen im Ablauf der Privatinsolvenz ist ab Oktober 2020 zu rechnen?

Vor einigen Monaten wurde ein neues Gesetz zur Verkürzung des Restschuldbefreiungsverfahrens veröffentlicht. Dieser sieht eine Verkürzung eines jeden Verfahrens auf 3 Jahre vor, welches nach dem 1. Oktober 2020 beantragt wurde.

Weitere Pläne hierzu sind:

  • Verfahren, die vor dem 16.12.2019 beantragt worden sind, behalten ihre Dauer von 6 Jahren
  • Alle Verfahren zwischen dem 16.12.2019 und dem 30.09.2020 beantragt wurden verkürzen sich stufenweise
  • Bei der Einstufung zählt die Beantragung der Insolvenz, nicht die Eröffnung!
 

Im Zuge der geplanten Gesetzesänderung sollte somit der Schuldner überlegen, ob man mit der Einreichung eines Insolvenzantrages nicht noch wenige Wochen wartet, bis das Gesetz endgültig bestätigt ist.

Was sind die Vor -und Nachteile einer Privatinsolvenz?

Die Privatinsolvenz hat ist neben der finanziellen Auslastung gegenüber dem Gläubiger eine gute Möglichkeit um wieder zurück in die Normalität zu kehren. Ebenso haben Sie aus psychischer Sicht eine bedeutende Entlastung, da Sie nicht mehr den Druck gegenüber dem Gläubiger verspüren, die Zahlung rechtzeitig auszuführen und keine Angst mehr vor dem Gerichtsvollzieher verspüren. Ebenso dem Partner oder der Familie, die meistens mitleiden, ist diese Entlastung mit geboten. Mit der Einleitung des Insolvenzverfahrens beginnt Ihre Entschuldung gegenüber dem Gläubiger. Ist das Insolvenzverfahren einmal eingeleitet, haben sie einen Pfändungsschutz und Ihr Konto muss in ein P-Konto umgewandelt werden. Jetzt ist es den Gläubigern verboten, eine Zwangsvollstreckung durchzuführen und Sie haben keinen pfändbaren Betrag mehr auf Ihrem Konto.
Nachteile sind unter anderem, dass Sie nicht vor Ihrem Arbeitgeber geheim halten können, dass Sie insolvent sind. Dies müssen Sie umgehend melden. In Deutschland sind die Verfahren sehr langwierig. Alle Finanzen müssen offen gelegt werden und das Vermögen wird verpfändet. Ein weiterer Nachteil ist die schlechte Bonität und ein niedriger SCHUFA-Score, wodurch die Kreditwürdigkeit sinkt. Ebenso wird das Insolvenzverfahren öffentlich bekannt gemacht. Wenn Sie arbeitslos sind, müssen Sie sich dann um einen neuen Job bemühen.

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